Dienstag, 26. Dezember 2017
Stell dir vor
Du hast nur
Acht Anstatt
Zehn Finger
Schon einmal
Darüber nachgedacht
Wie es wäre
Stell dir vor
Dir fehlen
Die Daumen
Wurden dir entrissen
Hast sie verloren
In einer Zeit
Wo du sie vielleicht
Besonders gebraucht hättest
Operationen misslangen
Sie mussten weg
Und nun hast du
Acht
Anstatt zehn Finger
Wunden bleiben
Müssen heilen
Wunden werden zu Narben
Und diese
Verblassen irgendwann
Und dennoch
Wirst du eingeschränkt bleiben
Beim aufdrehen des Wasserhahns
Oder halten des Handys
Wirst du merken
Da fehlt was
Da fehlt was
ganz wichtiges
Etwas
Was man so
Eigentlich nie beachtet hat
Denn
Bis jetzt
hattest du
wie die Mehrheit der Menschheit
Diese Zwei Finger
Du wirst dich dran gewöhnen
Lernst Taktiken
Um im Alltag
klar zu kommen
Irgendwann
Kannst du es
Und weist du was
Genau so
ist es Wenn man
ohne Familie ist
Keine Familie hat
Die hinter dir steht
Du dich trennen musstest
Weil die Vergangenheit
Es nicht zulässt
Das sie Gegenwart ist
In manchen Situationen
Merkst du
Da fehlt was
Wenn Leute
Von ihrer Familie erzählen
Du Weihnachten
da sitzt
Und Tränen
steigen dir in die Augen
Weil sie dir fehlt
Dir alte Bilder hochkommen
Wenn du Einfach mal
Zuhause anrufen möchtest
Oder vor der Türe stehen möchtest
Um aufgefangen zu werden
Oder diese Liebe
spüren möchtest
Die du nirgendwo anders
kriegst
Doch mit der Zeit
Gewöhnst du dich dran
Erinnerungen bleiben
So wie die Narben
Du lernst Taktiken
Um damit umzugehen
Situationen
In denen du sie vermisst
Werden weniger
Und weniger
Du wächst mit der Zeit
Wirst Stärker
Und irgendwann
Wird das einzige sein
Was bleibt
Der Gedanke
Das es das richtige war
Und du dein Leben lebst
Ohne störende Vergangenheit
Und ja
Momente Wird es geben
In denen du traurig bist
Aber das darf auch sein
Solange es
nur ein Moment ist
Und du danach
Mit klaren Blick
Weiter machst
.

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